Zur Entstehung von Diagnostories
Diagnostories ist nicht aus einer Theorie entstanden, sondern aus gelebter Notwendigkeit.
Im Jahr 2001 wurde bei mir eine benigne, faktisch inoperable intrazerebrale Raumforderung diagnostiziert. Ich entschied mich gegen eine hochriskante neurochirurgische Intervention und für die Akzeptanz der bestehenden neuronalen Belastungen.
Diese Entscheidung war kein Verzicht auf Medizin, sondern eine bewusste Begrenzung weiterer somatischer Risiken. Um Verschlechterungen, sekundäres Trauma und funktionelle Einbußen zu vermeiden, entwickelte ich über Jahre Coping-Strategien, die den somatischen Status als gegeben akzeptierten und zugleich neue Ordnungen des Erlebens ermöglichten.
Aus diesem Prozess entstanden Konzepte wie das Arbeiten in unterschiedlichen Erlebens- und Handlungsebenen, das Prinzip der Exzentration sowie methodische Ansätze, die heute in Coaching, Supervision und der Begleitung hochbelasteter Personen Anwendung finden.
Meine eigene Erfahrung bewegt sich bis heute in der Nähe chronifizierter Schlafdefizite und erhöhter Vigilanz. Sie ist kein Idealzustand, sondern ein stabil gehaltener. Gerade diese Realität hat dazu geführt, dass meine Arbeit insbesondere dort Akzeptanz findet, wo Belastung nicht theoretisch ist: im Executive Coaching, in der Begleitung traumatisierter Menschen nach schweren Gewalttaten sowie in der Supervision psychiatrischer Kliniken.
- Diagnostories ist aus dieser Haltung heraus entstanden:
- Diagnosen werden anerkannt.
- Medizinische Fakten bleiben unberührt.
- Und dennoch bleibt die Lebensgeschichte offen.
