Zur Entstehung von Diagnostories

Diagnostories ist nicht aus einer Theorie entstanden, sondern aus gelebter Notwendigkeit. Diese biografische Darstellung illustriert, wie ein Mensch über Jahrzehnte mit einer Diagnose gelebt und daraus eigene Fragestellungen sowie methodische Überlegungen entwickelt hat. Sie dient nicht als Modell oder Anleitung, sondern als Beispiel für einen reflektierten Umgang mit Diagnosen und den daraus entstehenden Fragen. Diagnostories nutzt solche individuellen Erfahrungen als Ausgangspunkt, um systematisch offene Fragen zu identifizieren und in einen evidenzbasierten Reflexions- und Forschungsraum zu überführen.

Im Jahr 2001 wurde bei mir eine benigne, faktisch inoperable intrazerebrale Raumforderung diagnostiziert. Ich entschied mich gegen eine hochriskante neurochirurgische Intervention und für die Akzeptanz der bestehenden neuronalen Belastungen.

Diese Entscheidung war kein Verzicht auf Medizin, sondern eine bewusste Begrenzung weiterer somatischer Risiken. Um Verschlechterungen, sekundäres Trauma und funktionelle Einbußen zu vermeiden, entwickelte ich über Jahre individuelle Strategien der Aufmerksamkeitssteuerung und des Stresscopings.

In diesem Zeitraum konnte ich den somatischen Status als gegeben akzeptieren und trotz permanenter neuronaler Belastung einen insgesamt stabilen Gesundheitszustand aufrechterhalten. Dies stellt keinen Idealzustand dar, sondern einen bewusst akzeptierten Status idem.

Aus diesem langjährigen Prozess ergaben sich Fragestellungen und konzeptionelle Überlegungen, etwa zur Arbeit in unterschiedlichen Erlebens- und Handlungsebenen, zum Prinzip der Exzentration sowie zu methodischen Ansätzen, die heute in Coaching, Supervision und der Begleitung hochbelasteter Personen aufgegriffen werden.

Ich lebe seit 25 Jahren mit chronifizierten Schlafdefiziten und dauerhaft erhöhter Vigilanz, da die Raumforderung kontinuierlich Aufmerksamkeit bindet. Diese akzeptierte Realität hat dazu geführt, dass meine Arbeit insbesondere dort anschlussfähig ist, wo Belastung nicht theoretisch ist: im Executive Coaching, in der Begleitung traumatisierter Menschen nach Gewalttaten sowie in der Supervision psychiatrischer Kliniken.

Diagnostories ist aus dieser Haltung heraus entstanden:

  • Diagnosen werden anerkannt.
  • Medizinische Fakten bleiben unberührt.
  • Und dennoch bleibt die Lebensgeschichte offen.

Diagnostories wird von Johannes Faupel betrieben. Als Systemischer Therapeut und Berater von IGST und SG zertifiziert, Mitglied im sysTelios-Netzwerk, Fachjournalist DFJV

info@johannesfaupel.com

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